Die meisten Schwangeren führt der erste Weg nach dem positiven Schwangerschaftstest zum Frauenarzt. Die medizinische Vorsorge beim Gynökologen ist hierzulande Normalität. Dennoch ist das in Deutschland übliche Vorsorgepaket von Frauenärzten lediglich ein Angebot und keine Pflicht. Viele Frauen wissen nicht, dass sie die komplette Schwangerenvorsorge ebenso bei einer Hebamme machen können und die Krankenkassen auch dafür die Kosten übernehmen. In diesem Artikel erfährst du 10 Gründe, die für ausschließliche Hebammenbegleitung in der Schwangerschaft sprechen.

 

Vorsorge, Untersuchungen bei der HebammeHier sind die 10 Vorteile von Hebammenbegleitung in der Schwangerschaft:

1. Hebammen betrachten die Schwangerschaft als natürlichen Lebensvorgang, der normalerweise keine routinemäßig kontrollierte medizinische Überwachung benötigt. Somit sehen dich weniger als Patientin, sondern als werdende Mutter, der sie Unterstützung und fachkundige Begleitung anbieten. Im Gegensatz dazu haben Frauenärzte  vor allem den medizinischen Aspekt der Schwangerschaft im Blick.  Der Fokus liegt dabei auf der zeitgemäßen Entwicklung des Kindes und eventuellen Komplikationen. In einigen anderen Ländern – zum Beispiel den Niederlanden – ist es daher ganz normal, dass Hebammen bei einer regulär verlaufenden Schwangerschaft die gesamte Vorsorge übernehmen und die Schwangeren nur dann zum Gynäkologen überweisen, wenn Komplikationen auftreten.

2. Hebammen sind ganzheitliche Ansprechpartner für Schwangere. Damit meine ich, dass sie auch über die gesundheitliche Vorsorge hinaus Ansprechpartnerinnen sind, wenn du Fragen zu sozialen oder familiären Themen hast. Häufig haben Hebammen auch ergänzende Ausbildungen in Naturheilkunde, Stillberatung, Psychologie…

3. Keine Geburt ohne Hebamme. Es ist gesetzlich geregelt, dass zu jeder Geburt in der Klinik eine Hebamme hinzugezogen werden muss. Wenn du im Krankenhaus gebären willst, empfehle ich dir, die Vorsorge bei einer Beleghebamme machen zu lassen, sodass du sie bereits kennst und schon im Vorhinein mit ihr über deine Wünsche und Ängste sprechen kannst. Willst du deine Kinder zu Hause oder im Geburtshaus bekommen, ist es sowieso im Normalfall so, dass die geburtsbegleitende Hebamme auch die Schwangerenvorsorge übernimmt.

4. Die Hebamme begleitet dich auch im Wochenbett und ist Ansprechpartnerin für alle Fragen, die in diesem neuen Lebensabschnitt auftauchen. Gerade dafür finde ich es hilfreich, wenn sie dir schon seit der Schwangerschaft als vertraute Person beiseite steht und du keine völlig unbekannte Person in euer neu gemachtes Nest lassen musst.

5. Eine Hebamme will nichts verkaufen und übt daher keinen psychischen Druck aus. Je mehr Untersuchungen du jedoch beim Frauenarzt machen lässt, desto mehr verdient er. So kommt es leider immer wieder vor, dass Frauen zu Untersuchungen gedrängt werden („so sind die Richtlinien, nach denen wir vorgehen!“, „bezahlt doch die Krankenkasse!“ „nur mal kurz schallen!“), auch wenn sie sich eigentlich dagegen entschieden haben. Manche Gynäkologen werfen Frauen gar aus der Praxis, wenn sie nicht an den vorgesehenen Routineuntersuchungen (CTG…) teilnehmen wollen, oder wenn sie eine geteilte Vorsorge von Hebamme oder Arzt in Anspruch nehmen wollen. Das sind sicher Extremfälle, aber leider habe ich in Internetforen bereits allzu häufig davon gelesen.

6. Hebammen sind mindestens genauso kompetent wie Ärzte, wenn es um die Betreuung von gesunden Schwangeren und ihren Babys geht. Sie können alle notwendigen Mutterschaftsvorsorge-Untersuchungen durchführen. Sie können den Mutterpass ausstellen, Blut- und Urinproben nehmen, mit ihren erfahrenen Händen Gewicht und Größe des Babys schätzen (teilweise genauer als der Ultraschall) und mittels Stetoskop oder Hörrohr die Herztöne des Babys hören.

7. Hebammen nehmen sich mehr Zeit für dich! Das ist für viele Frauen der wichtigste Grund, wenn es um Hebammenvorsorge geht. Während sich der Frauenarzt häufig nur wenige Minuten pro Patientin nehmen kann, plant die Hebamme meistens 45 Minuten oder eine Stunde für das Gespräch und die Vorsorge ein.

8. Daraus folgt auch: Da es insgesamt weniger Termine pro Tag sind, musst du bei der Hebamme kaum oder wenn dann nur kurz im Wartezimmer sitzen.

9. Einige Hebammen kommen für die Vorsorge sogar zu dir nach Hause! Das ist vor allem praktisch, wenn du noch andere Kinder hast, die du sonst mit zum Termin nehmen müsstest. Und wenn du kurz vor der Geburt stehst und keine Kraft oder Nerven mehr dafür hast, zum Frauenarzt zu fahren (und dort womöglich noch lange auf deinen Termin warten zu müssen).

10. Du kannst den Abstand zwischen den Vorsorgeuntersuchungen mit der Hebamme relativ flexibel ausmachen, je nachdem wie viel Begleitung dir wichtig ist. Beim Frauenarzt gibt es feste Zeitpläne. Bei Überschreitung des Geburtstermins sind z.B. alle zwei Tage Vorsorge mit CTG üblich. Meine Hebamme ging dagegen sehr stark auf meine Bedürfnisse ein und hatte kein Problem mit großen Abständen zwischen den Terminen, solange ich mich gut dabei fühlte.

Fazit

Das waren 10 Gründe, warum ich mich für die Vorsorge bei der Hebamme entschieden habe und es auch dir nur raten kann. „Und was ist mit Ultraschall und Pränataldiagnostik?“, fragst du dich jetzt vielleicht. Ich habe mich bewusst dagegen entschieden, da durch diese Untersuchungen häufig  nur Wahrscheinlichkeiten festgestellt werden können, die mich am Ende mehr verunsichert hätten, als dass sie mir Sicherheit gegeben hätten. Wie ich zu dieser Einstellung kam, davon wird ein anderer Blogartikel handeln.

Mit der ausschließlichen Hebammenbegleitung habe ich mich in meinen zwei Schwangerschaften pudelwohl gefühlt und würde es jederzeit wieder so machen. Wichtig ist mir mit diesem Artikel aber vor allem, dass Aufklärung stattfindet: darüber, dass reine Hebammenvorsorge bei einer „normalen“ Schwangerschaft für jede Frau in Deutschland möglich ist!

Wichtig ist nur, dass du dir möglichst früh eine Hebamme suchst, da es aufgrund der aktuellen Versicherungslage immer schwieriger wird eine zu finden. Eine gute Internetadresse für die Suche ist: www.hebammensuche.de.

Jetzt würde mich interessieren: Was für Erfahrungen hast du mit deiner Schwangerenvorsorge gemacht? Warst du bei der Hebamme? Oder hast du einen tollen Frauenarzt gefunden? Abwechselnd? Oder ganz allein? Schreib mir doch in den Kommentaren, das würde mich freuen und andren Frauen sicher bei der Entscheidung weiterhelfen!

10 gute Gründe für Schwangerenvorsorge bei der Hebamme
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