Schon vor einer ganzen Weile habe ich von der Aktion „Ein Weltrekord für Hebammen“ gehört und von Anfang an wollte ich dabei mitmachen, den längsten Brief der Welt für Hebammen zu schreiben. Briefe schreiben liebe ich ja sowieso! 😉 Dann kamen aber so viele scheinbar dringendere Sachen dazwischen, dass meine Teilnahme nun auf den letzten Drücker passiert. Spontan und vielleicht etwas wirr herunter geschrieben, aber immerhin noch rechtzeitig! Und vielleicht kann ich ja auch dich noch dazu inspirieren, mitzumachen.

Aber beeil dich! Die Aktion geht nur noch bis zum 31. August 2018!

Ein Weltrekord für Hebammen,

Liebe Leserin, lieber Leser,

der Anfang fällt mir schwer. Denn es scheint mir so absurd, dass es diese Aktion überhaupt braucht! Warum braucht es diesen Wirbel um etwas, das doch eigentlich das Selbstverständlichste auf der Welt sein müsste?

Tagtäglich werden auf dieser Welt Kinder geboren. Und meiner Meinung nach hat ein friedlicher Start ins Leben für ein Baby ganz enorme Auswirkungen auf seine Entwicklung und Lebensgeschichte!

Und wann ist so ein Start ins Leben möglich? Wenn es eine friedliche Geburt gibt. Sprich: Wenn die Mutter sich während der Geburt wohl fühlt, wenn sie in ihrer Kraft ist, wenn sie sich sicher fühlt!

Doch wie sieht die traurige aber leider übliche Realität einer Mutter während der Geburt heutzutage aus?

Die Mutter hat Angst vor der Geburt, weil sie überall nur schreckliche Geschichten hört. Sie hat Angst vor unerwünschten Eingriffen. Vor Entscheidungen, die über ihren Kopf hinweg getroffen werden. Vielleicht fühlt sie sich allein gelassen. Vielleicht fühlt sie sich nicht nur so, sondern ist es tatsächlich. Zahlreiche Geburtsstationen in Krankenhäusern schließen, die, die noch geöffnet sind sind überfüllt, die Hebammen und Ärzte überfordert. Zahlreiche Frauen verbringen die Eröffnungsphase der Geburt auf dem Gang, auf dem Weg in ein anderes Krankenhaus, im Auto oder alleine in irgendeinem Krankenhauszimmer. Alles Orte, die wohl nicht den geringsten Wohlfühl-Faktor mit sich bringen.

Und die Frauen, die sich deswegen gleich dafür entscheiden zu Hause zu bleiben, haben ständig mit Vorurteilen zu kämpfen. Sie haben es schwer eine Hebamme zu finden, weil sich immer weniger Hebammen ihre Versicherung leisten können. Und vielleicht finden sie auch keinen Frauenarzt, der ihr Vorhaben unterstützt. Schwangerschaft und Geburt werden zunehmend technisiert. Je mehr medizinische Überwachung geboten werden kann, desto besser, scheint es. Dass die Frauen dabei immer mehr verlernen, sich selbst und ihrem Körper zu vertrauen, sind die Nebenwirkungen davon.

Ich finde diese gesamte Entwicklung sehr beunruhigend. Es bereitet mir große Sorgen darüber nachzudenken, wo das alles hinführen wird.

Meiner Meinung nach brauchen schwangere Frauen eine Begleitung, die sie darin bestärkt, ihren selbst gewählten Weg zu gehen, egal wie dieser aussieht. Schwangere Frauen brauchen Begleitpersonen, die sich Zeit nehmen zuzuhören, die ihnen einfühlsam begegnen, die sie respektvoll behandeln, die sie würdevoll und vorsichtig untersuchen.

Wie soll das gehen in einem überfüllten Krankenhaus, wo die Hebammen nicht nur schlecht bezahlt werden, sondern auch nach vorgeschriebenen Kriterien zu handeln haben, die keinen Raum für individuelle Begleitung geben? Wenn sie ständig unter Zeitdruck stehen. Wie sollen sie so glücklich in ihrem Beruf arbeiten können?

Ich kenne ein paar Frauen, die motiviert die Ausbildung zur Hebamme begonnen haben und die die Erfahrungen  im Krankenhaus schon während der Ausbildung fast traumatisiert haben! So haben sie sich ihren Beruf nicht vorgestellt!

Und wenn sie selbst nicht glücklich dabei sind, wie sollen sie dann Schwangere positiv begleiten?

Denn das ist es doch, was die werdenden Mütter brauchen: Positive Stärkung, Zuspruch, Halt, Vorfreude auf die Geburt und das Baby. Ja, VorFREUDE und nicht etwa VorSORGE!

Warum braucht es überhaupt diese abertausenden Vorsorgeuntersuchungen? Warum sich über etwas im Vorhinein Sorgen machen, das vermutlich überhaupt nicht eintreten wird?

Doch wenn man sich gegen ärztliche Vorsorgen entscheidet, wird man hierzulande ja schnell als verantwortungslos hingestellt. Verwantwortungslos? Weil man die Verantwortung lieber selbst in die Hand nimmt, als sie dem Arzt zu übergeben, ja? Das ist dann verantwortungslos!?

Da läuft doch gewaltig etwas schief!

Und es soll hier ja nicht nur um Schwangerschaft und Geburt gehen. Mindestens genauso wichtig ist doch die Hebammenbegleitung nach der Geburt! Gerade für Erstlingsmütter ist sie sowas von essentiell! Wie soll das denn ohne Nachgeburtshebammen funktionieren? Die Mütter alleine mit ihrem Baby zu Hause ohne jegliche Ansprechpartnerin? Früher war es vielleicht normal, dass das Wissen aus den älteren Generationen an die frischgebackenen Mütter weitergegeben wurde. Da waren vielleicht einige andere Frauen vor Ort, die unterstützen und beraten konnten. Aber heutzutage?

Mich wundert es nicht, dass Wochenbettdepressionen und #regrettingmotherhood zunehmen. Viele Frauen fühlen sich nach der Geburt schrecklich isoliert und alleine gelassen. Plötzlich den ganzen Tag alleine mit Baby zu Hause. Und womöglich schreit das Baby auch noch den halben Tag, die Brüste sind entzündet, das stillen klappt nicht und die Kaiserschnittnarbe schmerzt noch. Ja, das sind jetzt Horrorszenarien, aber leider sind auch diese Realität.

Die Hebammen im Wochenbett sind so essentiell wichtig! Jede Frau, die eine Nachsorgehebamme möchte, sollte eine bekommen! Und es darf keine Frage des Geldes sein, ob sie sich das leisten kann oder nicht! Ebenso wie die Entscheidung für oder gegen eine Hausgeburt nicht davon abhängig gemacht werden darf, ob die Eltern das Geld dafür haben oder nicht!

In mir brodelt es, wenn ich darüber schreibe.

In mir brodelt es, bei den zahlreichen negativen Erfahrungsberichten von Krankenhausgeburten von Frauen in meiner Umgebung. Ich finde es so ungerecht und manche Szenen, die mir da berichtet werden, machen mich wirklich sprachlos.

„Das KANN doch nicht wahr sein! Sowas DARF es doch nicht geben!!“, denke ich. Die wenigen Mütter, die mir persönlich von schönen Geburten berichtet haben, kann ich an einer Hand abzählen. Meist waren das dann Hausgeburten.

Aber ja, es GIBT sie, die schönen Berichte.

Gott sei Dank gibt es sie!

Und ich bin zutiefst dankbar dafür, dass ich mich dazu zählen darf, zu den Frauen, die zwei selbstbestimmte Schwangerschaften und Geburten erleben durften.

Und ich bin ebenso von Herzen dankbar dafür, zwei Hebammen gefunden zu haben, die mich und meinen Mann während meiner Schwangerschaften und Geburten begleitet haben. Die unseren Weg ohne Frauenarztvorsorge respektiert haben. Die bei Fragen jederzeit da für uns waren, sich aber ansonsten zurückgehalten haben.

Meine Hebamme, die seit über 40 Jahren Hausgeburten begleitete, strahlte während der Geburten einfach eine so angenehme Ruhe und Wärme aus, inklusive Begeisterung und Faszination für ihren Beruf.

Ich bin auch froh über ihre Aussage nach der Geburt: „Wir kommen, wann euch danach ist und sooft euch danach ist. Wenn ihr uns morgen braucht, kommen wir morgen, wenn es erst in 5 Tagen ist, dann ist das auch ok. Und anrufen könnt ihr sowieso jederzeit.“

Alles kann. Nichts muss. Da fühl ich mich wohl und respektiert.

Und so wünsche ich es jeder werdenden und frischgebackenen Mutter!

Amen. 🙂

 

So. Den restlichen Abend verbringe ich dann glaube ich damit, diesen Brief abzuschreiben, denn er soll ja von Hand geschrieben, eingereicht werden.

Von daher schnell raus mit dem Artikel in die Welt, auf dass er noch möglichst viele Menschen erreicht, die ebenfalls noch ihren Brief für Hebammen schreiben wollen!

Machst du mit?

Ein Weltrekord für Hebammen – jetzt noch schnell mitmachen bis 31. August!
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